
- Photogram #9, 2012, Brussels, 240x120 cm
Die Galerie Kaune, Sudendorf freut sich, in ihrer aktuellen Ausstellung neue Werke des Fotografen Mark Arbeit präsentieren zu können. Bereits im letzten Jahr waren seine Inszenierungen von weiblichen Akten in Pariser Künstlerateliers in der Gemeinschaftsausstellung „Three Boys from Pasadena“ vertreten. Nun stellt der Künstler sein Talent erneut unter Beweis:
Neben einer Serie von minutiös angefertigten Polaroid-Montagen, die Mark Arbeit seit Anfang der 1990er Jahre bis heute kontinuierlich fortsetzt, sind bisher unveröffentlichte Fotogramme von beeindruckender Größe und Kunstfertigkeit zu sehen, die eine spannende Interpretation von Aktfotografie liefern. Zuletzt genannte entstanden während eines Artist-in-Residence Programms in aufwendiger Herstellung in einem Fotolabor in Brüssel, Belgien.
Das Fotogramm hat in der Geschichte der künstlerischen Fotografie eine lange Tradition. Bei diesem Verfahren werden mehr oder weniger transparente Objekte direkt auf lichtempfindliche Materialien wie Film oder Fotopapier belichtet. Christian Schads sogenannte „Schadographien“ gelten als Ursprung des modernen Fotogramms und zeichnen den Beginn einer Entwicklung, die Anfang der 1920er Jahre mit Man Ray und László Moholy-Nagy ihren Höhepunkt erreichte. Floris M. Neusüss experimentierte ebenfalls mit der kameralosen Fotografie und entwickelte in den 1960er und 70er Jahren eine Sonderform mit Schattenrissen von überwiegend weiblichen Modellen, die unter dem von Fritz L. Gruber geprägten Begriff „Nudogramm“ bekannt wurde.
Auch Arbeit übersetzt den weiblichen Akt in Fotogramme, wobei er unabhängig von den Nudogrammen die Kunst der Luminografie für sich entdeckt und zu seiner ganz eigenen Bildsprache kommt. Seine Modelle legt er direkt auf das 130 cm breite Fotopapier und inszeniert den weiblichen Körper mit unterschiedlichsten Accessoires: „Meine Idee war es, eine Art Körnung mit Hilfe von Objekten im Bild zu erzeugen, wobei ich Nägel, Murmeln, Cheerios, Plastik, Zellophan, Seile und Pasta verwendete.“ Durch mehrfache Belichtung sich abwechselnder Elemente entstehen komplexe Strukturen, diagonale Linien sorgen für Dynamik im Bild und unterstreichen die grafische Wirkung. Klare Übergänge und Formen ermögliche eine eindeutige Lesbarkeit. Mit seinen ausgeklügelten und feinsinnigen Kompositionen überträgt der Künstler ein altes Verfahren gekonnt in die Jetztzeit.
Die Faszination für den Surrealismus und tiefe Bewunderung Man Rays ziehen sich wie ein roter Faden durch Arbeits Œuvre. Sie haben ihn maßgeblich inspiriert und beeinflusst. Großen Einfluss hatte auch Helmut Newton, dem Mark Arbeit nicht nur als Assistent zur Seite stand. Es war eine Nachricht seines Mentors, acht Jahre nach dessen Tod durch einen gemeinsamen Freund übermittelt, die den entscheidenden Impuls zu der ausgestellten Serie lebensgroßer Fotogramme gab. Newton fand, dass das Experimentieren ohne Kamera eine interessante Richtung für seine künstlerische Entwicklung sein könnte. Hätte Arbeit diesen Ratschlag schon damals bekommen, wäre er vielleicht früher zu solch einem Ergebnis gekommen. Vielleicht aber auch nicht - manche Dinge brauchen eben ihre Zeit.
Mark Arbeit, 1953 in Chicago geboren, wuchs in Nord Kalifornien und Oahu, Hawaii auf. Er studierte zunächst Kunst und Fotografie an der „University of Hawaii“ und wechselte später an das „Art Center College of Design“ in Pasadena. Dort traf er auf Helmut Newton, mit dem ihn bis zu dessen Tod in 2004 eine enge Freundschaft verband. Nach Abschluss seines Studiums ging er nach New York, um als Assistent für Irving Penn zu arbeiten und von einem weiteren Meister der Modefotografie zu lernen. Um seine eigene Karriere als Fotograf anzutreiben zog es Arbeit schließlich nach Mailand, wo er für Magazine wie Linea Italia, Donna und Vogue Bellazza fotografierte. 1985 ließ er sich in Paris nieder und widmete sich zunehmend der künstlerischen Seite der Fotografie und begann mit ihr zu experimentieren. Es entstanden freie Serien wie ‚In and out of focus’ und ‚Polajunk Constructions’. Mark Arbeit lebt heute in Honolulu, Hawaii und ist beruflich in der ganzen Welt unterwegs.